Der geistliche Impuls



Christliches Leben ist nicht denkbar ohne von den Erfahrungen dieses Lebens zu erzählen. Denn Erfahrungen im geistlichen Leben macht niemand nur für sich selbst.

In unregelmäßigen Abständen möchte ich darum hier Ideen und Impulse, Erfahrungen und Anregungen weitergeben für jeden, der auf der Suche ist nach einem lebendigen Glauben im Alltag, nach intensivem geistlichen Leben.



05.04.2012:

Ein Text auf kirchentuer(punkt)de

Ab heute steht auch ein Text zu den Drei Österlichen Tage auf der Website des Offizialats Vechta, das zum Bistum Münster gehört. Mit einem etwas anderen Blick auf das Fest.
Unter Aktuelles.

Gerade erst bemerkt: Der Text wird ab 18.00 Uhr freigeschaltet.

Pax et Bonum
Maria Anna


04.04.2012:

Die Drei Österlichen Tage

Die letzten Wochen war hier wieder einmal eine längere Pause – die Arbeit ließ nichts anderes zu. Leider. Aber nun ist das größte Fest des Jahres ganz nahe und ich freue mich auf frohe und auch erholsame Tage.
Mit Ostern ist das ja so eine Sache. Zunächst einmal verstehen die wenigstens Menschen, dass es eben nicht nur der Sonntag und vielleicht (in Deutschland jedenfalls) auch noch der Montag ist, an dem wir dieses Fest feiern. Ab Gründonnerstag - oder wie er auch genannt wird: Hoher Donnerstag – beginnt das große Triduum, die Drei Österlichen Tage. Sie sind wie ein Tag, denn das Geheimnis dieses Festes ist nicht nur die Auferstehung Jesu. Es beginnt mit dem letzten Abendmahl, das in ausdrucksstarker Liturgie am Abend des Gründonnerstag gefeiert wird. Es ist kein Spiel, was da geschieht: Verkündigung, Jesu eindringliche Worte und Zeichen, die Fußwaschung an seinen Jüngern. Es ist Vergegenwärtigung. Indem es symbolisch getan wird, geschieht es sozusagen noch einmal. Damals hat Jesus es selbst getan, heute tun wir es in seinem Namen und in seinem Geist. Und das schafft eine Form von Verbindung, die öffnet und bereit macht für die Kraft, die aus diesem Tun Jesu damals und bis heute erwachsen kann.
Am Karfreitag dann, dem schmerzvollsten Tag im Jahr, zumindest für mich, gedenken wir nicht nur des Todes Jesu, sondern versuchen uns an das ganze Spektrum zu erinnern, das damit verbunden ist: Gott selbst ist in Jesus Mensch geworden und lässt sich freiwillig töten; sein Schmerz erwächst aus unseren Schmerzen, sein Tod hat eine Macht, die den Tod für uns Menschen zum Tor werden lässt. Jesu Tod ist der Tod des Gottmenschen Jesus, mein eigener Tod kommt mir in den Sinn, wie wird er sein, was werde ich erleben, spüren, wie wird das Tot-sein sein? Das Sterben der Menschen heute, früher, die großen und bedrückenden Leiden der Menschen, die Leiden der Schöpfung, Tiere, Pflanzen, was hat das mit mir und meinem Leben und Sterben zu tun ... viele, viele Gedanken, die am Karfreitag in meinem Kopf und in meinem Herzen sein werden.
Karsamstag dann ist sozusagen der Alltag par excellence. Es gibt keinen Gottesdienst, keine Eucharistiefeier. Der Tag symbolisiert für mich auch ganz stark die Gleichgültigkeit der Menschen (auch meiner, leider) dem Leid gegenüber. Wie schnell sind wir beim Tagesgeschäft, obwohl ein Familienangehöriger, eine Freundin, ein Nachbar gestorben ist, schwer krank wurde oder arbeitslos, verlassen. Karsamstag ist der graue Tag, an dem wir unsere Routine ablaufen lassen und nicht merken, was alles an fundamental wichtigen Dingen passiert.
Die Auferstehung am Ostersonntagmorgen sprengt dann alles oder besser: fügt alles zu einem riesengroßen Ganzen zusammen. Nicht alles können wir verstehen. Ich verstehe es jedenfalls nicht. Aber ich kann es glauben. Der, der tot war, lebt. Punkt. Das heißt für mich: auch mein Tod, meine Tode und die aller Menschen sind nicht das Letzte.
Was für eine Perspektive.

In diesem Sinne allen eine gesegnete Feier der Drei Österlichen Tage.
Und nach Ostern dann werde ich wieder etwas mehr nachdenken über Dialog und Konflikt und so weiter ... wenn mir der eventuell anstehende Zwergziegennachwuchs die Zeit lässt. ;-)

Pax et Bonum
Maria Anna


28.02.2012:

Halsstarrig oder konsequent?

Der Frühling naht, die Zwergziegen fangen an miteinander zu raufen und die Vögel sind schon längst beim Sängerwettbewerb um die hübschesten Vogeldamen. Alles scheint sich neu zu positionieren und manchmal denke ich an den Dialog schon früh am Morgen, wenn ich die Fenster öffne. Wenn Frieda, Alice und Schwarzes Mädchen sich kabbeln, dann geht es in der Regel recht vorsichtig zu. Die Schädel knallen zwar ordentlich gegeneinander, aber eigentlich ist das alles Show. Jede weiß ihren Rang und hält sich an die Ordnung. Nur selten gibt es richtige Kämpfe.
Manche Gespräche zwischen Menschen dagegen wirken allerdings eher wie ein Kampf um Leben oder Tod. Oder wie eine Fechtübung mit scharfen Waffen und ohne Schutzkleidung. Aber nicht wie ein respektvoller Dialog. Da geht es Schlag auf Schlag, dem anderen werden die Argumente um die Ohren gehauen, er wird an die Wand gedrückt oder aus dem Ring geworfen. Auch andere Meinungen, Kritik oder das Beharren auf einem Standpunkt sind nicht akzeptiert und werden mit scharfen Worten regelrecht bekriegt. Da werden Schlachten geschlagen ohne weiße Fahne!
Also ist ein gutes Gespräch nur etwas, wo alle nachgeben und keiner seine Meinung vertreten darf?
Der nächste Satz aus dem Dialogpapier von Pater Lambert nimmt darauf Bezug, auf diese Wortschlachten und Argumentationskriege. Er sagt: Notwendig sei
eine liebevolle Hartnäckigkeit. Und er erzählt, dass der heilige Ignatius, sein Ordensgründer, einmal 14 Stunden vor dem Zimmer eines Kardinals saß, weil Ignatius unbedingt mit ihm sprechen wollte.
Ganz schön hartnäckig, diese Dialogsuche. Bei kirchens in deutsch dürfte das nicht unbedingt als "Gnade der Beharrlichkeit" angesehen werden, sondern wohl eher als Aufsässigkeit oder als querköpfig, widerspenstig und manchmal sogar als ungehorsam gelten.
Und doch! Wenn ich eine Position für mich gefunden habe, sie mit guten sachlich begründeten Argumenten ruhig vertreten kann und nicht zu billiger Polemik greife: dann ist das ein Gewinn für den ganzen Dialog und kein Verlust. Aber dazu muss ich die vorhergehenden Punkte gelernt und verstanden haben:
- "Ich an ihrer Stelle würde hören!"
- "Ich würde versuchen, beim Zuhören zu lernen."
- "Die Auffassungen der andern verspüren und kennenlernen."
- "Auf die Gefühle der anderen achten."
Die Punkte, die in den letzten Wochen hier schon bedacht wurden, werden erst vom letzten Punkt her in ihrer Wichtigkeit erkannt. Liebevoll !!! hartnäckig kann ich erst dann sein und mit Gewinn für alle sein, wenn ich auf mein Gegenüber höre, ihn dabei zu verstehen suche, vor allem seine Auffassung versuche zu verstehen und seine Gefühle achte. Im Gesamt dieser Herausforderungen kann und darf ich dann meine Position bis zum letzten hartnäckig und auch sogar widerspenstig vertreten.

Keine leichte Aufgabe! Denn was macht man, wenn das Gegenüber den Dialog verweigert? Wenn es keinen Dialog gibt, sondern einen Konflikt?
Dann wird’s richtig schwierig. Aber dazu später mehr.
Es ist schon wieder verflixt spät, also hier eine Gute Nacht an alle und
Pax et Bonum
Maria Anna


23.02.2012:

Fastenzeit und Dialog

Und weiter geht es mit dem Dialog, jetzt mit einer besonderen Note: Wir sind in der Fastenzeit seit gestern und da bekommt das Thema eine, wie ich meine, die Sichtweise noch vertiefende Komponente.
Aber zunächst der Satz aus dem Dialogpapier von Pater Lambert: "Auf die Gefühle der andern achten".
Nee, nee, so einen Weichspüler können wir bei harten Auseinandersetzungen nicht gebrauchen! Das ist was für Softies und Weicheier ... so oder ähnlich höre ich jetzt Stimmen, die mit diesem Satz partout nichts anfangen können. Aber Gefühle und Empfindungen gehören zu jedem Menschen, auch zu einem knallharten Kerl (oder eine eiskalten eisernen Lady) Und sie bestimmen uns und unser Verhalten, auch wenn wir das nicht wahrhaben wollen. Oft steckt hinter den harten Positionen Angst. Und wenn ich ein Dialogpartner sein will, dann muss ich das bei mir und bei meinem Gegenüber in Betracht ziehen. Der Dialog sollte also gestaltet werden, dass Empfindungen gesagt werden dürfen, ohne dass der andere belächelt, verspottet oder fertig gemacht wird. Lambert nennt das die Atmosphäre entängstigen. Gefühle sind zu achten und nicht zu zertrampeln! Das gilt für alle Beteiligten. Egal, ob es ein hochstudierter Akademiker ist oder ein Handwerker, eine Frau Doktor oder ein Mädchen aus dem Dienstleistungsbetrieb. Jeder und Jede verdienen Respekt und Achtung, auch wenn ich die Gefühle nicht teile oder sie mir peinlich sind!!!
Wer sich darauf einlässt, nimmt nicht nur die Würde des anderen Menschen wahr und achtet sie. Er wird auch plötzlich spüren, dass das Zulassen von Empfindungen ein Weg zur Verständigung ist, aus dem eine starke innere Kraft erwachsen kann.
Gerade jetzt in der Fastenzeit bekommt diese Sichtweise eine besondere Intensität. Wenn ich als Christ davon überzeugt bin, dass wir Menschen Geschöpfe eines einzigen Schöpfers sind, der uns alle geschaffen hat aus unbegreiflich großer Liebe und der das Heil aller will und wirkt, dann verletze ich göttliches Recht, wenn ich den Mitmenschen nicht achte und seine Gefühle verspotte oder belächel. Und da wir alle gemeinsam diese Welt im Auftrag des Schöpfers gestalten und gut gestalten sollen (und auch wollen, nehme ich mal an), dann schneidet sich jeder quasi in sein eigenes Fleisch, wenn er dem anderen schadet.

Einen guten Beginn der Fastenzeit wünsche ich allen, denen das wichtig ist. Und den anderen erhoffe ich auch ein Auftauen aller Härte, und ein Aufblühen von innerem Frieden, klarer Sicht auf die Dinge um ihn herum und Mut zum menschlichem Handeln.

Pax et Bonum
Maria Anna


12.02.2012:

Der Dialog und die drei Siebe

Die große Kälte ist ein wenig milder geworden und heute hat es hier sogar geschneit. Aus der Grippe wurde "nur" eine Erkältung, allerdings irgendwie nichts halbes und nichts ganzes. Man laboriert so damit herum ...
Das Thema Dialog aber soll nichts halbes bleiben, es geht also weiter im Text.
Wenn ich einen wirklich Dialog führen möchte, ist der erste Schritt – wie schon gesagt – das Hören, das Zuhören. Aber da steckt viel mehr drin als nur die Worte zu hören, sie zu vernehmen, die mein Gegenüber spricht und den sachlichen Inhalt darin. Pater Lambert hat als nächsten Schritt vermerkt: "Ich würde versuchen, beim Zuhören zu lernen".
Es geht darum zu begreifen, was der andere wirklich aussagen will, was er vermitteln will. Das kann viel mehr sein als die Worte sagen. Es ist ein Prozess besonderer Art, zu lernen, was das Gegenüber wirklich aussagen will, zu lernen, besser und klarer zu verstehen. Und wie lerne ich, jemanden besser zu verstehen? Ignatius von Loyola meint dazu: Zunächst einmal dadurch, dass ich voraussetze, dass wir uns gegenseitig helfen und nutzen können. Weiterhin: Dass ich bis zum Beweis des Gegenteils annehme, dass in dem, was mein Gegenüber sagt, etwas Sinnvolles steckt. Dazu muss ich z. B. nachfragen, wie der andere zu seiner Ansicht gekommen ist, was für Erfahrungen dahinter stecken. Eine gute Hilfe kann es auch sein, dass ich versuche mit meinen eigenen Worten noch einmal zu wiederholen, was ich glaube, dass der Andere gesagt hat. In etwa diesem Sinne: Wenn ich Dich richtig verstanden habe, meinst du dass sich das so verhält ... Viele Missverständnisse könnten vermieden werden, wenn sich zu Anfang eines Dialogs solche und ähnliche kleine Schritte des Bemühens um Verständigung anbahnen würden.
Und noch etwas, das sehr wirksam verhindern kann, dass sich gute Kommunikation auf die Ebene von Gerüchten und böswilliger Unterstellung erniedrigt: Das Prinzip der drei Siebe. Dazu eine kleine Geschichte, die wahlweise von Sokrates, einem Wüstenvater oder einem alten Weisen erzählt wird.
Zu einem solchen Menschen kommt jemand, der ihm unbedingt etwas erzählen will: Folgendes Gespräch ergibt sich:

"Lass sehen, ob das, was du mir mitteilen willst, durch die drei Siebe hindurchgeht. Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du das, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?"
"Nein, ich hörte es vorhin, und ..."
"So, so. Aber sicher hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft, es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst, wenn schon nicht als wahr festgestellt, wenigstens gut?"
Etwas zögernd sagte der andere: "Nein, das ist es nicht, im Gegenteil ..."
"Dann lass uns auch das dritte Sieb noch anwenden und luns fragen, ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich so aufregt."
"Notwendig nicht gerade, aber ..."
"Also, wenn das, was du mir erzählen willst, nicht wahr, nicht gut und nicht notwendig ist, so lass es tief begraben sein und belaste mich und auch dich nicht damit!"

In diesem Sinne eine gute, gesegnete und mit milderer Witterung beschenkte Woche!
Pax et Bonum
Maria Anna


04.02.2012:

Etwas zur Wortbedeutung Dialog

Der Ofen glüht, die Katze döst und die Zwergziegen habe bis jetzt die Kälte gut vertragen. Mich hat zwar ein Hauch Grippe erwischt und ich hoffe, es wird nicht mehr, aber für ein paar Sätze zu Dialog reicht‘s noch heute Abend.

Also Dialog! Wenn man genau hinschaut, besteht dieses Wort aus zwei Wörtern. Dia und log, beides kommt aus dem Griechischen und bedeutet: Dia = zwei und log, logos = Wort. Dialog könnte man also kurz und knapp mit Zweiwort oder Zwiegespräch übersetzen. Es steht im Gegensatz zu Monolog, mono = eins, allein und log, logos = Wort: Monolog wäre also das Alleingespräch, wir sagen eher Selbstgespräch.
Zu einem Dialog gehören also folgerichtig immer mindestens zwei. Es braucht ein Gegenüber für den Dialog; nicht nur das Ich muss da sein, auch das Du.
Pater Willy Lambert schreibt zu Beginn seines Dialogpapiers, man könne viel gewinnen und viel verlieren bei einem Dialog. Darum sei es am Anfang immer wichtig, sehr genau zu überlegen, was ich bei diesem Dialog will. Das bedeutet jetzt nicht: ich muss scharf nachdenken, wie ich mein Gegenüber dazu kriege, meinen Argumenten möglichst widerstandslos zu folgen und mir zuzustimmen. Lambert zitiert Ignatius von Loyola (wen sollte er als Jesuit auch sonst zitieren ;-) ), der in einem Brief schrieb: "Ich an ihrer Stelle würde hören!"
Am Anfang eines Dialogs steht also immer das Hören, das Hinhören auf den anderen, auf mein Gegenüber. Wenn ich nicht bereit bin diesem Du zuzuhören, also seine Meinung wirklich wahrzunehmen, dann ist der Dialog von vorn herein ohne Chance.
Dazu gehört zunächst einmal selber den Mund zu halten, wenn der andere redet. Und bei diesem Schweigen nicht zu überlegen, wie hebel ich den jetzt aus mit dem, was er gerade gesagt hat. Sondern bei sich selbst klar zu haben: ich möchte bereit sein, den anderen wirklich zu hören und zu verstehen. Auch wenn seine Meinung der meinen entgegensteht.

Demnächst mehr an dieser Stelle. Jetzt gibt es heißen Holundersaft und die Waagerechte!

Gesegneten Sonntag und Pax et Bonum
Maria Anna


31.01.2012:

Dialog

Nun hat sie uns ja doch noch erwischt, die Kälte. Findus liegt meistens vor dem Ofen zusammengerollt und döst, die Zwergziegen mischen den Stall auf und ich, ich mache mir Gedanken über das Thema Dialog.
Die deutschen Bischöfe haben ja einen Prozess des Dialogs gestartet im letzten Jahr. Ist aber irgendwie noch nicht so ganz überall angekommenn, scheint mir. Also denke ich mal laut darüber nach.
Eine gute Hilfe dabei wird mir ein recht kurzes Papier sein, das Pater Willy Lambert SJ aus München verfasst hat. Da sind sehr gute Anhaltspunkte, ich werde sie aufgreifen und auf meine (bewährte?) Weise ausfalten.
Mal schauen, was so dabei herauskommt.
Jetzt aber werde ich auch mich vor dem Ofen zusammenfalten und etwas heißes trinken und dann den heulenden Wind um die Hütte als Einschlafhilfe benutzen.
Gute Nacht und gute Zeit!

Pax et Bonum
Maria Anna


01.01.2012:

Ein gutes, weil gesegnetes Jahr 2012!

Liebe Leserinnen und Leser.
Allen ein herzliches: Prost Neujahr!!
Möge das Jahr 2012 geistlich fruchtbar sein und den Frieden im Herzen fördern und vertiefen.
Nach einer langen Nacht der Anbetung, ganz still, ohne Musik, ohne Gesang (nur zum Schluss ein Lied) und ohne Böllerei und Strömen von Alkohol schaue ich mit Zuversicht auf die kommenden Monate.
Es ist gut, dass wir nicht wissen, was alles uns erwartet. So können sich Freude und Angst, Zufriedenheit, Glücksgefühle und Trauer nicht schon in ihrer existentiellen Bedeutung für uns Menschen hochpuschen oder zerredet werden und im Einerlei des Alltags versanden.
Vielleicht klingt das für manche jetzt verstiegen. Und viele werden sagen: Wenn ich wüsste, was mir Angst macht im kommenden Jahr, würde ich es zu vermeiden suchen.
Aber ich glaube, dass wir alles versuchen müssen so zu nehmen wie es kommt. Das heißt nicht, dass wir nicht gegen Unrecht oder Probleme angehen und versuchen sollen sie zu lösen etc.
Aber Vorauswissen hemmt meist mehr als dass es Kräfte freisetzt. Und darum bin ich froh, dass ich nicht alles weiß, was im neuen Jahr auf mich zukommt.
In diesem Sinne: Mut und Zuversicht allen , die das Leben meistern wollen.
Und den anderen auch!

Pax et Bonum
Maria Anna



26.12.2011:

Frohe und gesegnete Weihnachten Euch allen!

Wird ja langsam Zeit hier einmal wieder etwas zu erzählen. Allerdings machen mich solche Festtage immer faul ... nichts ist so schwer zu ertragen wie eine Reihe von guten Tagen!
Aber ich kann die Muße gut vertragen, denn die letzten 2 Wochen hatte ich einen recht lebendigen Gast. Nur sein Parfüm war auf Dauer nicht auszuhalten. Mein Gast, oder besser gesagt, der Gast im Stall hatte vier Beine und 2 sehr lange, prächtige Hörner. Der Zwergziegenbock hat meine Frauen-WG ganz schön aufgemischt. Kaum eine halbe Stunde da, schon war die Rangordnung auf den Kopf gestellt. Frieda war vielleicht sauer ... ich konnte richtig sehen (und mitfühlen) wie sie dachte: Was will der blöde Macho denn hier? Er hat dann auch bei den diversen Annäherungsversuchen kräftig Prügel bezogen. Frieda = keine Chance. Gott sei Dank!
Alice hat sich aber becircen lassen und jetzt hoffe ich auf kleinen, schwarzen Ziegenmädchennachwuchs. Anfang Mai sollte es soweit sein.
Und vielleicht ja auch beim Schwarzen Mädchen ... aber da bin ich mir nicht so sicher. Der Duft hat sich auch mittlerweile wieder verflüchtigt. Mein lieber Herr Gesangverein, diese Wolke, die morgens aus der Stalltür kam, wenn ich sie öffnete. Der Grund ist, dass Ziegenböcke zu den Maulharnern gehören. Ich will das hier nicht so ausführlich beschreiben, aber wo Rüden an Straßenecken markieren ... da markiert der Bock seinen Bart und sein Gesicht und sein Maul. Verstanden? Spezialparfüm für Ziegendamen, aber auch nur für Ziegendamen, für niemanden sonst!!
Und darum haben meine Ziegen auch sehr wenig Streicheleinheiten bekommen die letzten 2 Wochen, da der Bock sie natürlich umschmeichelt und seinen Kopf an ihrem Kopf reibt ... etc.
Mit anderen Worten: sie klebten unbeschreiblich.
Heilig Abend gab es dann für alle Tiere ein kleines Leckerli extra und wieder Ruhe im Stall.
Für mich gab es eine schöne Christmesse in der Nacht, Beginn 23.00 Uhr .Ich konnte bei jemandem mitfahren, bin also in diesem Jahr nicht stundenlang durch die Nacht gelaufen zu einer Kirche. Es war schön und vor allem ohne Tamtam, keine großen Konzerte, keine "Eventstimmung". Ich muss sagen, dass ich immer stärker auch in diesen Gottesdiensten die Stille und die nüchternen Texte und schlichten Gesänge liebe. Vor allem, wenn es draußen auch noch so eine nass-kalte, "unweihnachtliche" Wetterlage ist. Dann wird umso nachdrücklicher deutlich, was Weihnachten bedeutet. Gott wurde Mensch, weil es dringend notwendig war, weil wir erlösungsbedürftig sind.
Ein Gedanke der mich in zunehmendem Maß beschäftigt.

Eine gute letzte Woche des Jahres 2011 für Euch!

Pax et Bonum
Maria Anna


13.11.2011:

Das Evangelium nach Ackermann?

Ganz schön provokativ heute, nicht wahr?
Wer das Evangelium vom 33. Sonntag im Jahreskreis gehört oder gelesen hat, musste wahrscheinlich erst einmal schlucken. (Matthäus 25,14-30)
Es klingt wie die Geschichte vom beinharten Wirtschaftsboss, der seinen Untergebenen eine schwierige Aufgabe stellt und dann erbarmungslos aussortiert, wer den Anforderungen nicht gerecht geworden ist.
Puh!
Wie kann man sowas übersetzen, damit der Sinn, den Jesus uns aufleuchten lassen will, deutlich wird?
Zunächst einmal: Das ist ein Gleichnis! Diese Gattung literarischer Produkte enthält eine bestimmte Aufgabe, die sie dem Hörer oder Leser stellt. Jesus hat sie als eine Art Lieblingsmodell für die Verkündigung benutzt. Die Sprache ist aus der Alltagswelt genommen ebenso wie die Bildkomponenten. Hier: Ein großer Herr, der Diener hat, denen eine Aufgabe gegeben wird. Ein Bildwort, das uns mehr oder weniger geläufig ist. Ebenso die Charakterisierung der Diener. Der erste ist anscheinend sehr begabt, er bekommt 5 Talente, eine Riesensumme Geld, anvertraut. Der zweite Diener hat nicht ganz so viel Kompetenzen, aber auch er bekommt Mittel in die Hand, mit denen er arbeiten soll. Der dritte ist das Schlusslicht. Seine Fähigkeiten sind sehr begrenzt, aber er wird nicht ausgeschlossen, sondern erhält ebenfalls die Chance, etwas zu vollbringen. Nun geht der Chef eine Weile auf Reisen. Als er wiederkommt, zeigen zwei, dass das in sie gesetzte Vertrauen gerechtfertig war. Sie haben gut gearbeitet und bekommen nicht nur den entsprechenden Lohn, sondern werden auf die Stufe des Chefs gehoben. Aber der Dritte. Er hat nur Angst gehabt, hat alles verbuddelt, versteckt und versaut. Die Quittung kommt sofort: Er ist ausgeschlossen, er ist raus. Finito.
Ist das etwa anständig? Wo bleibt denn hier die soziale Gerechtigkeit? Der Dritte ist eben das arme Schwein, dass eben nie eine Chance bekam und sich selbst nichts zutraute und darum logischerweise ständig alles versaubeutelt.
Mooooment! Ich glaube, da muss man genauer hinschauen. Bei den ersten beiden Dienern lassen wir das jetzt einmal so stehen. Der Dritte ist ja auch der interessanteste von allen. Klar ist natürlich, dass der Chef Gott ist, bzw. Jesus selbst, der nach seinem Tod und der Himmelfahrt "auf Reisen" ging. Das, was er verteilt, kommt jedem "nach seinen Fähigkeiten" zu. Jeder bekommt also das, womit er umgehen kann ... wenn er will. Der Dritte hat aber nicht nur kein Vertrauen in den Chef, sondern auch eine ganz bestimmte Meinung von ihm. Im Evangelium steht: Er sagte: "Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mann bist; du erntest, wo du nicht gesät hast und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast." Ich stelle mir jetzt mal vor, da ist ein braver Arbeiter am Fließband, der nur ab und zu ein paar Schrauben an den Autos festzieht, die an ihm vorüberrollen. Und auf die empörte Frage des Chefs, warum er hier nicht ordentliche Arbeit macht, sagt er: Du verdienst mit den Autos irre viel Geld, seh ich gar nicht ein, dass ich dir dabei helfe und selbst nur das bisschen Lohn kriege. Hm, wie der Chef (und die Kollegen und seine Frau vor allem) wohl darauf antworten würden?
Der dritte Diener hat irgendwie etwas nicht verstanden. Es war nicht nur seine Arbeit, die er nicht gemacht hat, sondern er hat seinen Teil an der Gemeinschaft verweigert. Und wenn er nicht mit dem einen Talent arbeiten wollte oder konnte oder nicht wusste wie er es machen sollte, hätte er das Geld wenigstens auf die Bank bringen können, wie es ihm der Chef in dem Dialog ja auch vorwirft.
Die Aufgabe, die Jesus in dem Gleichnis uns stellt, heißt also nicht: Ich muss kapieren, dass Gott erbarmungslos abrechnen wird mit dem, der nicht spurt. Sondern: Jeder und Jede hat von Gott etwas geschenkt bekommen. Sicher auch zur persönlichen Lust und Freude, aber immer auch als Gabe, als Talent, die Gemeinschaft der Menschen zu bereichern, zu stärken, das Gute darin zu fördern und so zur Lust und Freude aller beizutragen. Wer das nicht verstanden hat, wird sich dann im Bilanzfall, also wahrscheinlich im Angesicht des eigenen Todes, auch nicht dahinter verstecken können, dass er Gott vorwirft. Ja, du bist eben der strenge Richter und ich hatte Angst. Das ist eigentlich eine Ausrede.
Es lohnt, sich mit diesem Evangelium mal wirklich intensiv zu beschäftigen. Dazu gehört auch zu wissen, dass der Evangelist Matthäus diese Zeilen aufgeschrieben hat und mit starken Worten aufgeschrieben hat zu einer Zeit, als die Gemeinde in Jerusalem anfing die Frohe Botschaft nicht mehr zu schätzen. Wenige Jahre nach Jesu Tod und Auferstehung glaubten nämlich alle, er würde relativ schnell wiederkommen. Aber: "nach langer Zeit" schreibt Matthäus, das ist auch eine Botschaft an die Christen damals: Jesus wird wiederkommen, aber es dauert länger, als wir gedacht haben. Wichtig ist bis heute: das, was wir von Gott geschenkt bekommen haben, ist immer ein Geschenk auch an die anderen. Ob nun große außergewöhnliche Gaben oder kleine, eher unauffällige Talente. Alles, was wir geschenkt bekommen, ist auch eine Aufgabe. Vielleicht ein Impuls in den letzten 2 Wochen vor Kirchensilvester zu überlegen: was habe ich denn alles geschenkt bekommen? Und - wie nutze ich es?

Eine gute Zeit und
Pax et Bonum
Maria Anna



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