Der geistliche Impuls



Christliches Leben ist nicht denkbar ohne von den Erfahrungen dieses Lebens zu erzählen. Denn Erfahrungen im geistlichen Leben macht niemand nur für sich selbst.

In unregelmäßigen Abständen möchte ich darum hier Ideen und Impulse, Erfahrungen und Anregungen weitergeben für jeden, der auf der Suche ist nach einem lebendigen Glauben im Alltag, nach intensivem geistlichen Leben.



26.10.2011:

Sommerrückblick

Junge, die letzten Wochen waren nicht nur voll, sondern auch dramatisch!
Aber der Reihe nach.
Zunächst einmal wurde endlich eine der kleinen Schriften fertig, die schon so lange auf die Drucklegung warten. Ich habe es noch nicht geschafft, den Titel mit Cover auf die Bücherseite zu setzen (mal sehen, vielleicht klappt es ja gleich noch), aber hier schon mal Titel und ISBN-Nr.:
"Die Einladung Gottes kennt keine Grenzen. Impulse zur Spiritualität von Berufung". Bautz Verlag, 978-3-88309-667-4, 9,00 Euro. www.bautz.de
Es sind Texte (Artikel und Aufsätze) zum sehr weit gefassten Thema Berufung, verstanden hier als grundsätzliche Gabe der Taufe.

Neben der Arbeit gab es im Garten eine Unmenge zu tun. Ich bin so beschenkt worden in diesem Sommer ... nicht gerade mit Sommerwetter, aber mit Gemüse und Obst, sagenhaft! Ich konnte gar nicht so schnell alles in Gläser einmachen, wie es reif wurde. Nun stehe ich manchmal ganz verzückt vor den Reihen der konservierten Lebensmittel und denke mir: Drei Monate Belagerung schaffe ich locker! Auch Eicheln gab es in Massen, auf der Weide hinten, aber vor allem auf dem Nebengrundstück. Ich bemerkte immer mal wieder, dass meine drei Ziegendamen die Eicheln mit Genuss suchten und fraßen. Was ich nicht bemerkte war eine Stromlücke im Zaun. Mein Weidegerät war für die Länge des Zaum zu schwach und an einigen Stellen war eben nichts mehr. Ich hatte es nicht bemerkt, aber Schwarzes Mädchen! Ich wunderte mich zunehmend, wieso sie so rund und dick wurde ... bis ich mit bekam, dass sie morgens, wenn ich schon wieder im Haus war, hinten durch den Zaun schlüpfte, über den Reisigwall kletterte und dann dort unter den Riesenbäumen schnell und gierig sich mit dem MASTFUTTER Eicheln vollstopfte. Irgendwann kletterte sie wieder zurück und kam ganz harmlos in den Stall zurück. So eine verflixte Lümmelliese!! Da sie jetzt schon kräftig Winterfell bekommen hat, muss ich sie umbenennen. Nicht mehr Schwarzes Mädchen, sondern Schwarzes Moppelchen müsste sie heißen. Wie ein Teddybär sieht sie aus. Ich hoffe der Winter, der mit ziemlicher Sicherheit wieder sehr kalt werden wird, wird das Gewicht reduzieren helfen. Die Leckerlies habe ich jedenfalls stark zurückgefahren.
Das dramatische Ereignis aber betraf Frieda. Vor etwa vier Wochen sah ich morgens, dass sie ein Horn und ein Ohr voller Blut hatte. Erschrocken suchte ich sie ab und sah am Allerwertesten Spuren von Blut. Wahrscheinlich hatte sie sich da gekratzt – eine akrobatische Leistung, die Frieda trotz des dicken Zwergziegenbauchs noch schafft – und irgend etwas aufgerissen. Die Tierärztin, die am gleichen Tag kam, stellte eine hässliche, lange Fistel fest und das hieß: Operation. Denn so was bildet sich ja nicht von selbst zurück und kann irgendwann ein Tier sehr schwächen und den Allgemeinzustand so runterbringen, dass sie daran stirbt.
Letzte Woche also, nach einiger Organisation mit Viehwagenanhänger und wer bringt uns zur Praxis und so weiter, sind Frieda und ich dann hin. Ich würde sagen, Frieda war aufgeregt. Aber ich noch viel mehr. Im Eingang der Praxis, neu, gepflegt und sachlich schick, hinterließ meine Ziegenchefin zunächst einmal eine breite Spur an frischen Kötteln ... peinlich, peinlich. Die Tierärztin lachte nur und meinte, das würden sie sorgfältig auffegen und für die Blumen gebrauchen. Nach der ersten kleinen Narkose bin ich dann verschwunden. Nach einer Stunde war alles erledigt und der eine operierende Tierarzt zeigte mir, was gewesen war. Irgendwann einmal hat Frieda ein viel zu großes Zicklein geboren und ist dabei total gerissen. Leider passen manche Ziegenhalter nicht genügend auf. Wenn ein Ziegenbock zu einer Zwergziegendame geht, haut das meist nicht hin, die Zicklein sind oft zu groß und die Zwergziege kann sie nicht normal gebären. Bei Frieda hat das wohl jemand dann genäht, aber irgendwie zuviel oder falsch, sodass auf Dauer die Fistel entstehen konnte. Jetzt ist alles wieder o.k., es heilt auch gut. Nur ein Zicklein kann sie nicht mehr bekommen. Es ist hinten alles so vernarbt, dass eine normale Geburt nicht mehr möglich ist und für einen Kaiserschnitt ist sie wohl auch langsam zu alt.
Schade!
Alle die vielen kleinen und großen, schönen und "dramatischen" Ereignisse in diesem Sommer sind für mich weitere Puzzlesteinchen, was mein Hiersein, was dieser Ort ist und noch mehr werden soll. Ich könnte eine Szene aus dem Matthäusevangelium sozusagen als Vorbild dafür nehmen. Bei Matthäus 22, 34 erzählt der Evangelist, wie ein Pharisäer, also ein Schriftgelehrter, Jesus auf die Probe stellt. Er fragt ihn: "Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?" Jesus antwortet ihm, wie es wohl alle erwartet haben: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot." Schön, könnte man sagen. Reicht, oder? Nee, reicht nicht. Jesus ergänzt dann auch und zieht dabei 2 Stellen des Alten Testamentes zusammen (Deuteronomium 6,5 und Levitikus 19,18) zu dem einen neuen Gebot: "Er sagt: "Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst."
Der Ort hier ist kein Refugium zu meiner persönlichen spirituellen Erbauung. Dieser Ort soll etwas ausdrücken. Das, was Jesus zu dem Pharisäer sagt, sind drei Kreise, die als verbindende Schnittmenge die Gottesbeziehung haben. Aus ihr heraus kann ich Gott, den Schöpfer, den Ursprung allen Seins lieben und das in meinem täglichen Gebet, in der Meditation leben, fördern und vertiefen. Daraus folgt aber logisch, dass ich jeden, der in dieser Gottesbeziehung eingeborgen ist, also die gesamte geschaffene Welt, alle Menschen und Tiere, ebenso zu lieben versuchen muss, also auch mich selbst. Was, nebenbei bemerkt, gar nicht so einfach ist an manchen griesgrämigen, müden oder schwierigen Tagen! Tiere, Gäste, Menschen, die zum Gespräch kommen, alle sollen hier ein offenes Ohr und einen freundlichen Blick finden. (naja, zumindest versuche ich das ...)
Und so sollen auch Gemüsesegen und Ziegenoperation ebenso wie die tägliche Meditation und das Gebet, der köstliche Nusskuchen einer Freundin, die heute zu Besuch war und auch der kalte Sommerdauerregen, alles soll eingeborgen sein in diese dreifache Ausprägung meiner Gottesbeziehung.
Und so hoffe ich auch auf einen ruhigen Winter, der mir Zeit lässt, mich endlich vertieft in die Geschichte des Eremitentums in Deutschland einzulassen. Worüber ich dann ab und zu auch etwas erzählen werde an dieser Stelle.
Zunächst aber einen schönen Herbst weiterhin und ein frohes
Pax et Bonum allen!
Maria Anna


01.08.2011:

Ein schönes Fest!

Nein, heute mal nicht direkt ein Heiligenfest oder Gedenktag, sondern – umgangssprachlich – eine Fete. Am letzten Samstag war Klausenfest. Ein Zusammenkommen, ein gemütliches Beieinandersitzen, Aufeinander Hören und dabei etwas Leckeres essen und trinken. Allerdings so gut wie ohne Alkohol (naja, es gab neben Saft, Wasser und Co. ein bisschen "Mädchenbier"). Und es war rundherum schön! Zwar saukalt!! 12 Grad, bisschen frisch für Ende Juli, klar, aber harmonisch. Fromm waren wir natürlich auch. Nach einer fröhlichen Hl. Messe gab einer nach dem anderen Witze zum Besten. Ich kenne es von früher her noch so, dass je später der Abend und um so voller die Gäste sind, umso dämlicher und anzüglicher werden die Witze. Bei uns am Samstag gab es Witze und Anekdötchen, die alle schallend lachen ließen, die aber auch alle Altersstufen hätten hören können. Einen erzähle ich hier an dieser Stelle, der kirchens auf deutsch ein wenig auf die Schippe nimmt:
Ein Rabbi, ein evangelischer Pastor und ein katholischer Pfarrer sind gestorben und stehen vor dem Himmelstor. Einer nach dem anderen muss nun zum Jüngsten Gericht hinein. Zuerst der Rabbi. Nach 10 Minuten kommt er heraus, rauft sich die Haare und ruft: Nein, nein, was habe ich alles falsch gemacht. Danach muss der evangelische Pastor hinein. Nach 20 Minuten kommt er wieder heraus und ruft: Nein, nein, was habe ich alles falsch gemacht.
Dann ist der katholische Pfarrer dran. Es dauert 10 Minuten, 20 Minuten, eine Stunde, zwei Stunden, drei .... nach ewig langer Zeit kommt der liebe Gott heraus, rauft sich die Haare und ruft: Nein, nein, was habe ich alles falsch gemacht.
Nett, nicht wahr.
:-))
Es soll ja Menschen geben, die beim Hören solcher Witze sehr angesäuert reagieren. Als dürfte man über Gott, die Kirche, das kirchliche Bodenpersonal und alle, die damit verbunden sind, nicht lächeln oder lachen. Aber ich denke, ein guter Humor ist ein Humor, der sich selbst nicht so wichtig nimmt und unserer Lebenswirklichkeit mit einem fröhlicher Spruch oder Witz auch mal gegen den Strich bürsten kann. Ich jedenfalls musste meist (zumindest eine Zeit hinterher) lachen, wenn man mich auf den Arm genommen hatte. Eine Szene ist mir bei diesem Thema immer sehr präsent. Vor laaaaaaaaanger Zeit, als ich noch nicht sehr häufig bei der Beichte gewesen war und das ganze Prozedere meist noch ein wenig üben musste, passierte folgendes. Ich kam aus dem Beichtstuhl (ein altmodisches Ding) und war heilfroh, dass das Gespräch und meine Antworten gepasst hatten. Ich war mit Freunden in der Kirche, die schon vor mir beichten gewesen waren. Ich kniete mich also hin um ein Gebet zur Buße zu beten, da flüsterte mir einer meiner Freunde zu: "Was war denn los um Gottes Willen?" Ich murmelte verdutzt, mit weiterhin fromm gesenktem Kopf: "Wieso?"
"Na, das hat ja ewig gedauert!!" Ich erschrak: "Wie?" Antwort: "Ja, es stand eine ganze lange Schlange vor dem Beichtstuhl, in dem du warst. Es sind sogar Leute weggegangen, weil das so gedauert hat." Ich bekam einen knallroten Kopf und wäre am liebsten unter die Kniebank gekrochen. Irgendwie schaute ich aber hoch und sah das breit grinsende Gesicht. Aber bevor ich explodieren konnte, winkte er mit dem Zeigefinger: "Vorsicht! Du bist ganz frisch in der Gnade! Pass auf, was du sagst!"
Grrrrrrrrrrrrrrrrrr!!
So kann‘s einem gehen.
Jetzt hoffe ich, dass das schönes Fest der Auftakt war zu einer Zeit mit höheren Temperaturen und noch etwas Sommer im Garten, damit die 3m Sonnenblumen, die wie eine Rittergarde am Zaun stehen, auch wirklich alle blühen und strahlen können. Zur Freude der Hummeln, Wildbienen und Honigbienen, der Schwebfliegen und auch der Wespen. Und auch zu meiner Freude. Und im Herbst dann zur Verköstigung der Vögel.
Allen eine gute Zeit und wer auf Reisen ist, möge erholt und gesund wieder nach Hause kommen.
Pax et Bonum
Maria Anna


01.07.2011:

Ein Blick in den Garten

Es ist tatsächlich so etwas wie Sommer draußen. Ich kann jeden Sonnenstrahl nur genießen. Nachts ist es allerdings manchmal deutlich zu kühl. Für mich ist die Schöpfung immer ein Bild und Gleichnis auch für geistliche Dinge. Und da habe ich vor einiger Zeit einen Bienenschwarm beobachtet und das in einer kleinen Geschichte verpackt.
Zum Wochenende also hier die Naturbeobachtung mit vorsichtiger Interpretation, bzw. Übertragung, wer es verstehen mag.
:-)

Eine gute Zeit Euch!
Pax et Bonum
Maria Anna

Der Schwarm

Zuerst war es so leise, kaum dass ich es hören konnte. Dann schwoll das Summen an, wurde zu einem lauten Brummen und vor dem Küchenfenster erschien eine Wolke. Eine Wolke aus Bienen. Ich war erstaunt. Schon vor ein paar Wochen hatte sich mein wildes Bienenvolk geteilt, hatte im Garten geschwärmt und war dann über das Maisfeld hinweg verschwunden. Und jetzt noch einmal? Trotz des harten Winters scheint der Hornissenkasten in der alten Eiche, den sie vor Jahren besetzten, ein gutes Winterquartier zu sein. Über dem Gemüsegarten wogte es; tausende sirrende, schwirrende braune Insekten, die aufgeregt hin und her schossen. Auf den ersten Blick ohne Plan, ohne System. Bei längerem Betrachten aber wurde eine Ordnung sichtbar. Irgendwo mitten dazwischen musste ein Zentrum sein. Alle Bienen flogen mehr oder weniger einen Kreis, eine Achterschleife. Und allmählich konnte ich den Mittelpunkt ausmachen. Als jemand, der an Schöpfung und Umwelt heftig interessiert ist, weiß ich, dass die Bienenkönigin sozusagen das Herzstück, die wichtigste Biene im Volk ist. Diese Königin musste irgendwo an den Spalierbirnen sitzen, denn immer stärker zentrierte sich das Bienenvolk dorthin. Alles sammelte sich an dem einen Stamm, krabbelte aufgeregt auf und ab und bald hing dort ein großer brauner Klumpen Bienen und im Garten wurde es wieder still.
Das musste ich mir natürlich ansehen. Vorsichtig schlich ich näher. Ich hoffte, meine weißen Haare und das helle T-Shirt reichten aus, um dem Feindbild Bär nicht zu entsprechen. Zwei Schritte vom Spalierobst entfernt blieb ich stehen. Das Bienenvolk – tausende Insekten auf engstem Raum – krabbelte erkennbar zielstrebig auf- und untereinander, die, welche oben saßen, krochen ins Innere, andere kamen von unten hoch und blieben für eine Weile an der Oberfläche. Schade, die Königin konnte ich nicht erkennen. Aber es faszinierte total, wie alles geordnet und ohne sichtbaren Stress zusammen blieb.
Es wurde Zeit für die Meditation und ich dachte: nimm dieses Ereignis als Impuls. In der Ruhe der nächsten Stunde ließ ich das Bild des Bienenvolkes vor dem inneren Auge entstehen und schaute es an: Viele in Gemeinschaft, die Suche nach einer neuen Heimat, neue, noch unbekannte Wege, ein Zentrum, um das sich alles sammelt – viele Assoziationen, viele Gedanken kamen mir in den Sinn. Ein friedvolles Bild, welches das Bemühen um das Wohlergehen aller widerspiegelte. Am nächsten Morgen war ich gespannt. Die wenigen Schritte bis zum Spalierobst waren schnell gemacht und – sie waren noch da. Die Nacht war kühl gewesen, der Tau glitzerte auf dem Gras. Der große Klumpen hing noch am Stamm, aber etwas war anders. Ich ging näher. Alle Bienen hingen dicht an dicht aufrecht übereinander, starr von den kalten Temperaturen. Doch alles war so geordnet, dass die Flügel wie Dachziegel lagen, alle schädliche Feuchtigkeit perlte an ihnen ab. Jede Biene schützte die nächste. So konnte das ganze Volk die Kälte der Nacht überstehen. Was für ein gutes Bild.


15.05.2011:

Nettes Spielchen

Okay, es hat wohl schon jeder gemerkt: ich schaff es nicht. Mein löblicher Vorsatz, den Kommentar zum Sonntag jetzt eben hier zu posten – klappt nicht. Irgendwie muss ich ja die finanzielle Lücke schließen, also irgendwas anderes schreiben etc. und das braucht die knappe Zeit auf. Also fällt der Kommentar weg. :-/
Schade, vor allem an diesem Sonntag. Das Evangelium passt total gut zum gestrigen Versuch, die kleine lümmelige Ziege wieder einzufangen. Schwarzes Mädchen ist inzwischen kein niedliches, knuffiges Zicklein mehr, sonder eher ein durchtrainierter Youngster. Sie erinnerte mich die letzte Zeit immer wieder an die Warnung in einem Ziegenbuch: Zwergziegen können, wenn sie wollen 1,60 m hoch springen. Kaum vorstellbar, wenn man das kleine Wicht sieht. Ca. 43 cm hoch, aber schlank und drahtig und vor allem ungeheuer neugierig. Die beiden Alten akzeptieren den Litzenzaun ohne Probleme, nur Frieda geht mal durch, wenn sie die Nase voll hat von der Weide und auf ihren Lieblingsplatz im Stallgelände will. Aber das ist selten. Schwarzes Mädchen aber muss ständig austesten, ob sie hier oder da durchkommt. Denn das Futter auf der anderen Seite des Zauns ist garantiert besser. Und leider ist hinten zurzeit kein Strom drauf, also existiert der Zaun ja eigentlich nicht. Gestern habe ich mich dazu gesetzt und ein paar Buchrecherchen gemacht. Ich wollte aufpassen, war aber dann doch abgelenkt. Und dann flutsche sie blitzschnell durch die Litzen und trabte mit hocherhobenem Kopf an mir vorbei, eher ich das Buch auch nur aus der Hand legen konnte. Direkt auf meine Johannisbeersträucher zu. Ziegen lieben Johannisbeersträucher! Nun hat sie nach dem Erdrosselungsversuch (Rangkämpfe mit Frieda, die sich in ihrem Halsband verhakte) kein Halsband mehr um und ist demzufolge schlecht festzuhalten. Hinterher laufen und schreien oder schimpfen hat bei Ziegen absolut null Effekt. Sie wollte ja auch gar nicht abhauen, sondern nur neugierig alles anschauen und beknabbern, was hinter dem Zaun ist. Ich also den Kuhstrick in die Hände und ganz ruhig hinter ihr her. Es machte ihr sichtlich Spaß. Sie ließ mich immer nah heran kommen, aber unter meinem Kuhstrick-Lasso tauchte sie jedesmal elegant weg. Sie lief nicht weg, blieb immer in meiner Nähe, ließ sich aber nicht einfangen. Es dauerte eine ganze Weile bis ich sie hatte und dann ging es ab auf das Stallgelände. War eh schon Zeit dafür. Sie ging problemlos mit und sprang dann sehr vergnügt über die Felsen und den Sandhaufen hin zum Stall. Ich konnte mich die ganze Zeit des Gefühls nicht erwehren, dass sie das Spielchen genossen hat. Und dann las ich das Evangelium heute. Passte irgendwie gut. Jesus versucht gegnerischen Pharisäern seine Position und seine Aufgabe als Messias klarzumachen. Er sieht sich als Hirte der Menschen und beschreibt es mit dem alten Bildwort von der Schafherde. "Wer durch die Tür (des Schafstalls) hineingeht, ist der Hirt der Schafe. (...) und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus, und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen." (Johannesevangelium 10, 1f)
Nun sehen sich die meisten Menschen nicht als Schafe an, o.k., ist verständlich, aber der Knackpunkt bei dem Evangelium – zumindest für mich – ist ja, gehöre ich zu diesem Hirten oder nicht. Höre ich also auf seine Stimme oder nicht. Ich glaube, es ist für Jesus kein Problem, wenn wir ab und zu so ein Spielchen veranstalten wie das Schwarze Mädchen mit mir gestern. Aber die Frage ist schon: Hören oder nicht hören.
Ich denke, das Evangelium wird mich noch die Woche beschäftigen. Und vielleicht meine Hörübungen – Meditationen intensivieren.
Euch eine gute Woche!

Pax et Bonum
Maria Anna


01.05.2011:

Einen schönen 1. Mai

allen Besuchern der Website!
Viele werden wohl heute auf dem Weg sein, fröhlich feiern und manche ziemlich über die Stränge schlagen. Ich habe das ja 10 Jahre lang life verfolgen können, da ich in der Nähe einer in diesem Sinne sehr beliebten Strecke wohnte und weiß, wie heftig viele Menschen "zuschlagen".
Ich selber meide ab jetzt alle Straßen und genieße stattdessen die Schönheit des Tages. Vor allem mit dem Evangelium von heute. Der Apostel Thomas, der sich zwar einen vorwurfvollen Satz von Jesus anhören muss, der aber trotzdem einen sehr liebevollen Zuspruch und den verlangten "Beweis" bekommt. Eine Gescichte, die mir zeigt, dass Zweifel nicht von vorneherein zur ewigen Abstrafung führen, sondern eine Hilfe sein können tiefer in das Geheimnis des Glaubens zuwachsen. Nachzulesen bei
Joh 20,19-31.
Allen eine gesegnete Woche und weiterhin Osterfreude!

Pax et Bonum
Maria Anna


15.04.2011:

Gruß zur Heiligen Woche und zu Ostern!

Liebe Besucher meiner Website,
hier mit dem Kommentar zum Palmsonntag ist für zwei Wochen erst mal (wieder) Pause. Karwoche und Osteroktav bleibt der Computer aus.
Ich wünsche allen eine gute und geistlich fruchtbare Zeit und ein frohes und gesegnetes Osterfest!!

Pax et Bonum
Maria Anna

In allem uns gleich, außer der Sünde
Kommentar zu den Lesungen des Palmsonntags im Lesejahr A

Jes 50,4-7; Phil 2,6-11; Mt 26,14-27,66
ausgewählt : 26,57-67

Am ersten Tag des Festes der ungesäuerten Brote, so legt der Evangelist Matthäus den Zeitraum fest, an dem die Passion Jesu beginnt. Jesus feiert mit seinen Jüngern an diesem Abend das alte jüdische Erinnerungsmahl, das Paschamahl, das an die Nacht vor dem Auszug aus Ägypten erinnert. Aber er verändert dieses Mahl, er gibt ihm eine neue Bedeutung. Das Lamm, das die Juden damals in Ägypten schlachteten und mit dem Blut die Türpfosten bestrichen als Zeichen für den Engel, sie zu verschonen, an die Stelle dieses Lammes tritt Jesus selbst. Und er weiß was das bedeutet, denn die Szene am Ölberg zeigt ganz deutlich, dass er große Angst hat vor dem, was auf ihn zukommt.
Nachdem Judas mit den Soldaten Jesus aufgespürt und man ihn verhaftet hat, geht es zum Verhör vor den Hohenpriester Kajaphas. Es ist klar, dass es keinen echten und gerechten Prozess geben wird. "Die Hohenpriester und der ganze Hohe Rat bemühten sich um falsche Zeugenaussagen gegen Jesus, um ihn zum Tod verurteilen zu können. Sie erreichten aber nichts, obwohl viele falsche Zeugen auftraten. Zuletzt kamen zwei Männer und behaupteten: Er hat gesagt: Ich kann den Tempel Gottes niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen." (Mt 26,59-61) Matthäus spitzt die Geschichte hier kräftig zu, denn sein Evangelium ist gezielt an Judenchristen gerichtet, die in ihrer Abkehr vom Judentum und der Hinwendung zum Christentum bestärkt werden sollen. So ist der Dialog, der folgt, auch in manchen Zügen schärfer als die entsprechenden Stellen bei Markus ( vgl. Mk 14,60-65) oder bei Lukas (Lk 22,66-71). Zunächst die Befragung durch den Hohepriester, die auf den ersten Blick Jesus und seinen Anspruch ernst zu nehmen scheint: "Willst du nichts sagen zu dem, was diese Leute (das meint: die falschen Zeugen!) gegen dich vorbringen? Jesus aber schwieg. Darauf sagte der Hohepriester zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, sag uns: Bist du der Messias, der Sohn Gottes?" (VV. 62-63) Es klingt ein wenig so, als hätte Jesus eine wirkliche Chance, mit seinem Anspruch Gehör zu finden. Die Aufforderung beim lebendigen Gott zu schwören, ruft Gott um Beistand an, übergibt sich aber auch seiner Strafe, wenn der Schwur oder Eid gebrochen wird. Die Antwort Jesu ist verwirrend. Er sagt zwar "Du hast es gesagt." (V. 64a), was als Bestätigung aufgefasst werden darf. Aber anschließend kommt ein Satz, der nur begreiflich ist, wenn man den ganzen Ablauf, vom Verrat des Judas bis zum Kreuzestod Jesu und seine Auferstehung als den !!! Brennpunkt, den Dreh- und Angelpunkt aller Geschichte der Menschheit und des Kosmos ansieht. Jesus sagte: "Von nun an werdet ihr den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen sehen." (V. 64b) Der Menschensohn – darin wird ausgesagt, dass der Messias, der Sohn Gottes, die Inkarnation des göttlichen Vaters in einem Menschen ist. Und er wird zwar als Mensch leben und sterben, aber in göttlicher Kraft und Macht auferstehen und als solcher wiederkommen. Und das wird sichtbar sein und nicht versteckt und verborgen wie seine Geburt. Die Brisanz, die eine solche Aussage für die Hohenpriester hatte, wird an deren Reaktion deutlich: "Da zerriss der Hohepriester sein Gewand und rief: Er hat Gott gelästert! Wozu brauchen wir noch Zeugen? Jetzt habt ihr die Gotteslästerung selbst gehört Was ist eure Meinung? Sie antworteten: Er ist schuldig und muss sterben." (/VV. 65-66)
Sicher, Jesus hat provoziert. Er wusste, wenn er das sagt, ist sein Tod beschlossen. Aber seine Aussage ist auch majestätische Verkündigung. In der Kraft und Macht seiner Göttlichkeit sagt er aus, was Wahrheit ist: Gott wendet sich den Menschen zu. Er ist nicht nach der Erschaffung der Welt in irgendeinem Himmel verschwunden und überlässt seine Schöpfung sich selbst. Er ist dem Menschen zugeneigt und schafft einen neuen Zugang zu Gott für die ganze Welt. All das scheint und schimmert in dem kurzen Satz mit und die heftige Reaktion der Hohenpriester und der Mitglieder des Hohes Rates wird verständlich. "Dann spuckten sie ihm ins Gesicht und schlugen ihn. Andere ohrfeigten ihn und riefen: Messias, du bist doch ein Prophet! Sag uns: Wer hat dich geschlagen?" (VV.67-68)
Beide Lesungen, aus dem Propheten Jesaja und aus dem Philipperbrief betonen diese Kenosis genannte Hinwendung zum Menschen. Aus dem Glanz des Himmels beim Vater hin zur irdischen harten Wirklichkeit der Menschen. Jesus teilt auch die Auswirkungen der Freiheit, die wir geschenkt bekommen haben. Er teilt sie sehr, dass er darin zum Erlöser werden konnte: "Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest wie Gott zu sein. Sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich." (Phil 2,6-7)


14.04.2011:

Geduld ...

Nun, so ganz fertig ist der Kommentar zum Palmsonntag noch nicht, ich werde ihn erst morgen am Nachmittag hier plazieren können.
Viele wissen, dass ich auch Kerzen verziere und momentan ist die stressige Osterkerzenschlussrunde eingeläutet. Und meterlange Kerzen verzieren sich nicht mal eben.
Darum etwas Geduld. Morgen steht er hier. Ich werde übrigens nur einen Teil auswählen. Für Palmsonntag ist ja als Evangelium eine sehr lange Perikope ausgesucht (dieses Jahr Matthäus 26,14 – 27,66), die im Gottesdienst mit verteilten Rollen vorgelesen wird; dass alles zu kommentieren gibt ja fast ein Buch. Ich werde also nur einen Teil nehmen.
Bis morgen!
Pax et Bonum
Maria Anna


07.04.2011:

Ein Gruß an alle Besucher und immer was Neues ...

Nach wieder mal langer Pause heute ein Gruß an alle Besucher meiner Website, falls noch vorhanden ... aber die Statistik zeigt, dass es erstaunlicherweise immer noch jede Menge Besucher sind, obwohl ich mich die letzten Monate nicht gemeldet habe, bzw. melden konnte.
Der Winter war heftig. Fast ständig eingeschneit, Wasserleitung geplatzt, zu wenig Holz zum Heizen, eine Medikamentenunverträglichkeit und und und
Aber jetzt ist Frühling und alles muss gleichzeitig gemacht werden. Nicht nur, dass verschiedene Bücher endlich in die letzte Phase des Schreibens kommen müssen, auch der Garten verlangt nach kräftigen Händen, die Ziegen toben und wollen auf die Weide und eigentlich wäre es dringend nötig, einen klassischen Frühjahrsputz auf die Reihe zu kriegen.
Nackenschläge gab’s allerdings auch in der letzten Zeit mehr als mir lieb war, darum wird diese Message mal gaaaaanz lang. Wie viele wissen, schreibe ich oder besser schrieb ich für Zenit.org seit eineinhalb Jahren den Kommentar zum Sonntag. Nun, seit heute morgen nicht mehr. Die Leitung hat sich geändert und plötzlich sind Absprachen obsolet. Naja, da ich ungern umsonst arbeite, dachte ich mir, stellste den Kommentar auf deine Seite. Ein Grund mehr, dich endlich mal wieder zu melden. Und das tue ich hiermit und wenn ich es schaffe, kommt das dann eben jeden Donnerstag.
Allen einen gesegneten 5. Fastensonntag!
Pax et Bonum
Maria Anna

-.-

Eine ungeheuerliche Zumutung!
Kommentar zu den Lesungen des 5. Fastensonntags
Ez 37,12b-14; Röm 8,8-11; Joh 11,1-45 oder Joh 11,3-7.17.20-27.33b-45

Es ist eine gewaltige Vision, in der der Prophet Ezechiel - sinnlich wahrnehmbar - hört und sieht, wie die Toten des Volkes Israel auferweckt werden. Gott handelt am Menschen, auch wenn er schon gestorben ist. Und die Botschaft, die Ezechiel zu verkünden hat, gilt über seine Zeit hinaus: "Wenn ich eure Gräber öffne und euch, mein Volk aus euren Gräbern heraufhole, dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin. Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig und ich bringe euch wieder in euer Land. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin. Ich habe gesprochen und ich führe es aus - Spruch des Herrn." (Ez 37, 13-14) Ich habe gesprochen und ich führe es aus! Diese Bekräftigung sagt deutlich: Was der Herr verspricht, das wird er halten. Ezechiel sah es in einer Vision. Im johanneischen Bericht von der Auferweckung des Lazarus wird diese Verheißung real und konkret. Der Evangelist komponierte diesen Bericht gezielt; unmissverständlich legt er dar: Jesus Christus ist der Messias, der Macht hat über Tod und Leben. Es beginnt mit einleitenden Erklärungen, die dem Hörer / Leser erläutern, wer die Personen sind, über die erzählt wird. "Ein Mann war krank, Lazarus aus Betanien, dem Dorf, in dem Maria und ihre Schwestern Marta wohnten. Maria war die, die den Herrn mit Öl gesalbt und seine Füße mit ihrem Haar abgetrocknet hat; deren Bruder Lazarus war krank. Daher sandten die Schwestern Jesus die Nachricht: Herr, dein Freund ist krank." (Joh 11,1-3) Schon hier zu Beginn steht die Aussage Jesu, die darauf vorbereiten soll, was der innerste Kern der Geschichte ist. "Diese Krankheit wird nicht zum Tod führen, sondern dient der Verherrlichung Gottes: Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden." (V. 4) Jesus benimmt sich ungewöhnlich, nachdem er die Nachricht bekommen hat. Anstatt sich sofort auf den Weg zu machen, " ... blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt." (V. 6) Doch jedes Wort und jede Handlung haben haben einen klaren Sinn. Alles soll darauf vorbereiten, dass der Herr den Weg am Kreuz gehen wird, den Weg in den Tod, um allen das ewige Leben zu ermöglichen. Nach der Wartezeit will Jesus zurück nach Judäa (V. 7-8), wo noch vor Kurzem die Situation mit einigen Juden eskalierte. (Vgl. Joh 10,22-39) Er betont, dass Lazarus nur schläft. "Dann sagte er zu ihnen: Lazarus, unser Freund schläft; aber ich gehe hin, um ihn aufzuwecken." (V. 11) Die Jünger verstehen den Doppelsinn seiner Worte nicht, verstehen auch dann noch nicht genau, als Jesus deutlicher wird. Sie sind in Sorge um ihren Meister, dass er in Gefahr gerät, was Thomas zu einem starken Wort der Solidarität bewegt. "Jesus hatte aber von seinem Tod gesprochen, während sie meinten, er spreche von dem gewöhnlichen Schlaf. Darauf sagte ihnen Jesus unverhüllt: Lazarus ist gestorben. Und ich freue mich für euch, dass ich nicht dort war; denn ich will, dass ihr glaubt. Doch wir wollen zu ihm gehen. Da sagte Thomas, genannt Didymus (Zwilling), zu den anderen Jüngern: Dann lasst uns mit ihm gehen, um mit ihm zu sterben." (VV. 13-16)
Als Jesus und seine Jünger im Außenbereich des Dorfes Betanien angelangt sind, kommt Marta ihnen entgegen. Voller Trauer, aber auch voll hoffenden Vertrauens auf Jesus. "Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben, Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben." (VV. 21-22) Jesus spricht ihr einen Trost zu, der mehr ist als Trost. Er verkündet ihr die übergroße Gnade, die er durch seinen eigenen Tod am Kreuz in naher Zukunft für alle bereit halten wird. "Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag. Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?" (VV. 23-26) Eine Frage, die über Zeit und Raum hinweg an jeden Menschen gestellt ist: Glaubst du dass Jesus der Christus ist? Marta antwortet und man kann sich die Worte nicht innig genug vorstellen: "Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll." (V. 27)
Ohne dass die anderen im Trauerhaus es merken sollen, schickt Marta ihre Schwester Maria zu Jesus. Ihre Trauer bewegt Jesus und auch die anderen Juden dort. Aber auch leise Kritik wird laut. Das Grab des Lazarus nimmt schon das Grab Jesu voraus. Wie Jesu Grabstätte ist es "... eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war." (V. 38) Die Spannung, die seit dem Bekenntnis der Marta stetig angestiegen ist, erreicht jetzt ihren Höhepunkt. Jesus verlangt das Grab zu öffnen. "Jesus sagte: Nehmt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, entgegnete ihm: Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag. Jesus sagte zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen? Da nahmen sie den Stein weg." (VV. 39-41a) Es ist unerhört, makaber und könnte in die Nähe heidnischer Totenbeschwörung führen, was Jesus vorhat. Außerdem besteht die große Gefahr, dass er und alle, die dabei stehen kultisch unrein werden. Aber Jesus lässt sich nicht beirren. Er weiß genau, was er tut. "Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herum steht, habe ich es gesagt.; denn sie sollen glauben, dass du mich gesandt hast. Nachdem er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! Da kam der Verstorbene heraus; seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt, und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt." (VV. 41b-44a) Ein so machtvolles und deutliches Zeichen ist es, dass viele zum Glauben kommen. Aber es ist auch der letzte Anstoß für die Führer des Volkes, ihn zu töten. (Vgl. V. 53)
Der Glaube an die Auferstehung der Toten übersteigt die irdischen Realitäten. Er ist nur dem möglich, der sich dem Geist Gottes öffnet und sich und sein Denken umwandeln lässt. Paulus weiß die, die getauft sind, vom Geist Gottes bestimmt und damit schon hineingenommen in den Beginn der Auferstehung: "Wenn der Geist dessen in euch wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat, auch euren sterblichen Leib lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt." (Röm 8,11)

Maria Anna Leenen


06.12.2010:

Ho ho ho ho .....

ich würde sagen, bei mir hat er total versagt! Den Tag heute würde ich gern irgendwie streichen. Angefangen hat es heute mit einem seltsamen Ton, der sehr früh am Morgen durchs Haus summte. Ich habe eine Weile nur gelauscht, was das wohl sein könnte. Bis ich dann zur Hauswasserversorgung kam und feststellen musste: Huch, das ist die Wasserpumpe. Das denken und den Stecker ziehen war eins. Nun sitze ich hier ohne Wasser. Nett, nicht. Im glücklichsten Fall ist nur ein kleines Ventil verstopft und es spült sich wieder frei. - Morgen, wenn ich mich traue, den Stecker wieder in die Steckdose zu stecken. Im schlechtesten ist die Pumpe hin und das war‘s dann mit den Weihnachtsfreuden. Denn das kostet einen ganz schönen Batzen Geld.
Beim Füttern dann hatte Frieda – gierig und gefräßig, wie sie nun mal ist – es so eilig, das ich einen kräftigen Hieb mit ihrem rechten Horn abkriegte. Na ja, die blauen Flecke sehen wenigstens immer irgendwie gestylt aus: kreisrund, wie mit einer Schablone geprägt. Und dann kam heute mittag plötzlich ein warmer Wind, der Schornstein verweigerte sich, ich merke es zu spät und durch Küche und Arbeitszimmer waberte wenig später ein hellblauer Qualmschleier vom Feinsten. Es stinkt jetzt noch. Ich dachte spontan: sicher ist dieser dicke Weihnachtsmann im Schornstein steckengeblieben. Geschieht ihm Recht, ich mag ihn sowieso nicht! Mir ist der heilige Nikolaus viel, viel lieber. Aber irgendwie hat‘s mit seiner schönen Bescherung auch nicht geklappt heute. (Vielleicht, weil ich zur Generation 50+ gehöre?)
So ist das mit dem Advent. Die letzten Tage, an denen ich wieder brav mit meinen Arbeitsschuhen ins Dorf gelaufen bin, weil es ja plötzlich so sch....kalt wurde (Entschuldigung!), dachte ich mir: was will dir das sagen, na? So auf dem Weg ins Dorf, das dauert ja, man hat Zeit die Gedanken laufen zu lassen, einen Schritt nach dem anderen, und dann fällt einem plötzlich ein, dass der Advent ein Weg ist. Und für Wege braucht man Schuhe. Und wenn ich mir die meisten Menschen so anschaue, die jetzt hektisch von Weihnachtsmarkt zum Kaufhaus und wieder zurück hetzen, die sich bemühen, soviel Freude und Glühwein zu kriegen, wie nur möglich ist, irgendwie kommen sie mir vor, als hätten sie sich in der Wahl ihrer Schuhe für den Advent geirrt. Sie haben für diesen Weg schon die Pumps und die schicken Lackschuhe angezogen und wundern sich ständig, warum ihnen die Füße wehtun.
So betrachtet, sind mir meine Arbeitsschuhe lieber. In denen kann ich meilenweit wandern, Füße sind trocken und warm, keine Blasen, keine Druckstellen. Der hohe starke Schaft verhindert ein Umknicken, die Sohle das Ausrutschen: so komme ich heil und sicher mit Vorfreude nach Weihnachten.
Und wenn dann so ein verkorkster Nikolaustag dabei ist, o.k., können wir verkraften.
Und außerdem hat sich Frieda heute Nachmittag von mir kraulen lassen , fast 10 Minuten lang. Ohne Hormhiebe, ganz, ganz friedlich. Na, hat der heilige Nikolaus mir doch noch was geschenkt.
:-)
Euch einen geRuhesamen Advent noch mit wenigstens ein bisschen Muße und Nachdenken über Wege und Schuhe.
Und vielleicht ein Gebet für den so schwer verunglückten Samuel Koch, von dem ich heute in der Zeitung las!
Pax et Bonum
Maria Anna


01.11.2010:

Alle Heiligen

Nu isses November, alles wird grau und kalt und nass und ich möchte am liebsten den Platz hinter dem Ofen (bzw. vor dem Ofen) nicht mehr verlassen. Findus Findine liegt lang ausgestreckt davor und genießt die Wärme. Die hat‘s gut ...!
Aber eigentlich ist heute ja ein fröhlicher Tag. Allerheiligen! Für die meisten Menschen verbindet sich damit eher ein Gedenken an unsere Toten und das scheint traurig zu sein. Aber ich bin anders drauf. Wenn ich davon ausgehe, dass es nach dem Tod weitergeht und zwar besser und schöner, vor allem ohne Schmerzen und Angst, ohne Krankheiten und Gewalt, dann ist der Gedanke an die Zeit nach meinem Sterben nicht mehr trüb und ängstlich.
Aber Allerheiligen heißt noch viel mehr. Heilig bedeutet ja nicht nur: das weltliche, also profane übersteigend, oder besser: das ganz andere als Welt und Irdisches Denken und Wünschen betreffend. Heilig sein oder Heiligkeit hat auch viel mit Heil, mit heil sein zu tun. Und an dem Fest aller Heiligen gedenken wir logisch all jener, die schon vollendet sind in Gott. Die also unser aller Ziel erreicht haben. Und ein klein bisschen denken wir dabei auch an uns selbst. Denn nach christlichem Verständnis hat jeder, der getauft worden ist, schon den ersten und wichtigsten Schritt in Richtung ewiges Heil getan. Sicher denken wir auch an die, die kanonisiert wurden, also an die, die durch die Kirche heilig gesprochen wurden. Ah ja ... das ist ja immer so ein hick hack mit Menschen, die den Hintergrund dazu nicht kennen. Klar, es gibt garantiert eine ganze Menge Menschen, die nicht verstehen, warum Kirche das tut. O-Ton Kritiker. Ob die Kirche da jemanden heilig spricht oder nicht ist mir wurscht. Der oder die ist das für mich sowieso, egal was die Kirche dazu sagt. Darum geht es ja gar nicht! Natürlich kann ich persönlich alle möglichen Menschen für heilig, für vollendet, für supertoll oder als ein klasse Vorbild ansehen. Unbenommen. Wenn die Kirche jemanden selig oder heilig spricht, dann sagt sie sozusagen mit offizieller Stimme: Dieser Mensch hat in einem oder mehreren christlichen Dingen das hohe Ideal mit Gottes Hilfe erreicht und ist ein gutes Vorbild für uns. Sozusagen amtlich. Ich finde das gut. Denn die Kirche prüft so etwas in der Regel seeeeehr lang und ich kann mich dann darauf verlassen. Im nächsten Jahr z.B. werden drei Lübecker Kapläne selig gesprochen. Sie haben in der Nazizeit Kindern und Jugendlichen freies Denken nicht nur nicht verboten, sondern haben mit ihnen über die Ziele und Ideale der Nazis gesprochen. Und dafür mit ihrem Leben bezahlt. Aber nicht nur die drei Kapläne Johannes Prassek, Eduard Müller und Hermann Lange, sondern auch noch ein vierter Geistlicher gehörte dazu: Der evangelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink. Diese Vier haben mit großen Mut aus tiefster Überzeugung die Verbrechen der Nazis beim Namen genannt. Das ist für mich ein Handeln, an dem ich mich orientieren kann. Und wenn am 25. Juni in Lübeck das große Fest beginnt, werde ich zumindest mit dem Herzen dabei sein.
Euch eine gute Woche!
Pax et Bonum
Maria Anna

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